Ferialpraktikanten: erfrischend anders

Sie sind wieder da: Ferialpraktikanten. Madln und Buam, die teils als Pflichtübung im Rahmen der Ausbildung oder schlicht um ein bisserl was zu verdienen, in Unternehmen während der Urlaubszeit tätig sind. Und wie!

Mit einer faszinierenden Mischung aus Angst, Unsicherheit, aber auch jeder Menge jugendlicher Frische bringen diese jungen Damen und Herren alle Jahre wieder eine nette und mittlerweile eigentlich schon freudig erwartete Abwechslung in mein Arbeitsjahr. Wenn ich, wie in der vergangenen Woche, als ich die Telefonnummer eines Kunden – ein ehrwürdiges oberösterreichisches Industrieunternehmen – wählte, mit einem forschen „Hallo?“, gefolgt von „äh, ah so…“ begrüßt werde, dann ahne ich bereits, daß mein gewünschter Gesprächspartner auf Urlaub ist und bin mir zusätzlich ziemlich sicher, daß da jemand die Trennung zwischen privater und dienstlicher Telefonie innerlich noch nicht vollzogen hat.

Wenn verbunden werden soll, dann gibt das natürlich Anlaß zu Verwicklungen, die öfter als erhofft, damit enden, daß ich mehr oder minder elegant aus der Leitung befördert werde. Von den schon etwas abgebrühteren Ferialpraktizierenden erfahre ich dann bei der Anrufwiederholung mit fester Stimme, daß es „schon den ganzen Tag ein Problem mit der Telefonanlage“ gäbe. Auch wenn es erst 09:10 Uhr ist.

Sehr charmant empfinde ich den Ferialpraktikantinnen-Typ „Chefsekretärin 1953“. Diese Damen, bei den Herren habe ich dieses Verhalten noch nicht feststellen können, sind sich ihrer Bedeutung mehr als bewußt: Sie haben ihre Chefin, ihren Chef, ja das gesamte Unternehmen vor dem telefonischen Eindringling – womöglich ein Lieferant!!! – zu schützen! Wer hier nicht glasklar und ohne weitere Verzögerung seinen Namen, den Namen seines Unternehmens, sowie den Grund seines Anrufs nennen kann, hat verloren (ohne „leider“!). So will es das Gesetz. Und das sitzt für vier Wochen am anderen Ende der Leitung. Hat der Anrufende Level 1 gerade noch geschafft, droht bereits Level 2: Spricht man mit „Chefsekretärin 1953“, sind die gewünschten Gesprächspartner, so nicht im Urlaub, prinzipiell „In Besprechung“, „außer Haus“ oder „zu Tisch“. Die Antwort auf die Frage nach der Rückkehr segelt irgendwo im Nebel der Zeit und kann daher „leider“ nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung gestellt werden. Da „Chefsekretärin 1953“, wie ich aus Erfahrung weiß, Level 3 nicht vorgesehen hat, greife ich zum bewährten Hausmittel: Ich bitte um Unterstützung. Denn anders, als viele, viele junge Herren glauben, haben auch junge Damen ein Herz und so erfahre ich: „Na, ich schau´ einmal…“.

Wir Profis wissen natürlich, daß nur das Hier und Jetzt zählt und Vergangenheit und Zukunft viel weniger Bedeutung haben, als ihnen so gern zugesprochen wird. Und trotzdem: Einmal im Jahr, wenn die Ferialpraktikanten aufblühen, werde ich ein bißchen sentimental und denke an einen schönen Herbsttag Mitte der siebziger Jahre, als ein sehr jugendlicher Christian Traxler kurz nach dem Beginn der Lehre zum Industriekaufmann zum ersten Mal den Anruf eines Kunden entgegennahm … Ich glaube, das ist der Grund, weshalb ich zu Ferialpraktikanten besonders freundlich bin. Auch damals, als ich eine Marketingleiterin besuchen wollte und mich die Ferialpraktikantin zum Lieferanteneingang verwies …