Was ziehe ich heute an?

christian-traxler.at (c) Paul-Georg Meister pixelio.de

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Ultrakurzer Minirock, Anzug oder Trachtenjanker, Maßschuhe oder Sneakers: Was ziehen Sie an, wenn Sie zu einer geschäftlichen Besprechung gehen? Fragen Sie sich manchmal: was kommt gut an, was fördert die Sympathie? Gibt es die ultimative Erfolgskleidung für Verkäuferinnen und Verkäufer? Oder ist es wurscht, Hauptsache bequem?

Kennen Sie die legendären Außendienstler-Geschichte vom Verkäufer, der den Kofferraum seines Autos zur mobilen Garderorbe umfunktioniert haben soll? Die Idee war, sich für jeden Kunden passend zu kleiden. Der Erfolg gab ihm recht. So die Legende. Aber auch abseits dieser Story höre ich immer wieder, wie vorteilhaft es fürs Geschäft es sein soll, wenn man sich in eine der jeweiligen Region entsprechenden Tracht wirft. Man wird schneller akzeptiert, heißt es, gehört rascher dazu.

Ich glaube nicht daran. Wenn man in einer Region aufgewachsen ist, dort die meiste Zeit seines Lebens verbracht hat, dann wird man doch dadurch geprägt. Warum soll ich als in Wien geborener und aufgewachsener Mensch, in Niederösterreich, Oberösterreich oder Salzburg plötzlich in Verkleidung auftreten? Einer meiner Grundsätze ist, unbeirrt den ehrlichen Weg zu gehen, sich eben nicht zu verstellen. Und da gehört bei mir die Art, wie ich mich kleide dazu. Ich glaube übrigens ncht, daß sich ein Händler, der hunderte Kilometer von Asien Richtung Europa auf der Seidenstraße unterwegs war, sich kurz vor Erreichen seines Zieles schnell die dort übliche Tracht übergestreift hat. Ganz im Gegenteil: in den alten Berichten wird doch immer begeistert von der Vielfalt der Farben und Formen der Gewänder in den alten Handelsstädten erzählt.

Anzug? Für mich ein klares Ja. Sieht ansprechend aus, hat viele Taschen und man kann damit eigentlich überall hingehen.

Respekt? Ja! Ich komme als Gast. Jemand widmet mir einen Teil seiner Lebenszeit. Respekt den Kunden gegenüber kann man auch durch die Kleidung zeigen. Daher sind die Anzüge, die ich im Business trage, möglichst nicht zerknittert oder verschwitzt und verströmen auch nicht den Geruch eines übervollen Aschenbechers.

Vertrauen? Ja! Auch hier kann die richtige Kleidung unterstützen. Oder würden Sie gerne einem Verkäufer ihr Geld anvertrauen, der Schuhe trägt, in deren Gehfalten sich noch der Schnee vom letzten Winter findet?

Krawatte? Leider nicht mehr. Hier habe ich mich nach langer, erbitterter Gegenwehr, der zur Zeit vorherrschenden Meinung angepaßt. Beim Termin regelmäßig als Einziger mit Krawatte da zu sitzen, macht einfach keinen Spaß.

Handtuchbreiter Minirock? … nun ja, meine Idee dazu: Wenn Sie es nicht unbedingt darauf anlegen Ihren männlichen Gesprächsparter abzulenken (was wäre der Sinn und Zweck dieses Vorhabens?), dann zeigen Sie ihre fantastischen Beine lieber am Strand, als im Konferenzzimmer. Wie ich aus gut unterrichteten Kreisen gehört habe, reagieren weibliche Entscheiderinnen, die eventuell nicht so tolle Beine haben wie Sie, auch bedeutend entspannter, wenn Ihr Rock eine angemessene Länge aufweist.

Erwartungshaltung? Wenn ich ein Sportgeschäft betrete, erwarte ich nicht, daß eine Verkäuferin im Business-Kostüm auf mich zukommt. Umgekehrt wird ein Kunde in meinem Geschäft wahrscheinlich etwas irritiert sein, wenn ich zum Termin in meiner Laufbekleidung antrete.

Meine Meinung: Verkleidung: Nein. Authentizität und Einfühlungsvermögen: Ja!