Wir sind nicht mehr in der Schule!

christian-traxler.at (c) S. Hofschlaeger pixelio.de

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Sie können die Merkmale Ihres Produktes oder Dienstleistung auswendig vorwärts und rückwärts aufsagen. Ihre Unterlagen sind hervorragend gestaltet. Ihre Tasche ist bestmöglich geordnet. Sie könnten sogar in völliger Dunkelheit die richtige Unterlage herausfischen. Sie kennen das Unternehmen, das Sie morgen besuchen werden, beinahe so gut, als würden Sie dort arbeiten. Selbstverständlich haben Sie alle wichtigen Namen im Kopf. Ihr Anzug ist frisch aus der Reinigung, die Schuhe sind geputzt und das Auto glänzt fast so schön wie damals im Autohaus.

Sie wissen, daß Sie von drei Personen, den Entscheidern in diesem Unternehmen, erwartet werden. Sie haben die Fotos dieser Personen auf der Unternehmens-Website gesehen. Strenge Gesichter – kein Wunder bei dieser Verantwortung – allesamt mit Top-Lebenläufen. Sie haben sich
mit den möglichen Fragen beschäftigt. Sie wissen, was Sie antworten werden. Sie sind vorsichtig optimistisch. Sie werden, nein Sie müssen, diese Prüfung erfolgreich bestehen.

Wie bitte? Prüfung? Öha! Ist Ihnen das auch schon passiert, daß vor einem Termin plötzlich ein Gruß aus der Vergangenheit in Ihrem Hirn ankommt und sich rasch zur nichtsahnenden Seele vorarbeitet? Während wir aufwachsen, verbringen wir sehr viel Lebenszeit an Ausbildungsstätten. Dort wird geprüft. Dort wird Wissen abgefragt. Dort lernen wir, daß wir Antworten und zwar die richtigen Antworten zu geben haben, denn sonst droht Ungemach. Wäre eigentlich ein Wunder, wenn uns die gut antrainierten Verhaltensweisen, die uns helfen die Schulzeit zu überleben, nicht hin und wieder auch in der Jetztzeit besuchen.

Wir müssen zwei Punkte beachten: Zunächst bedeutet eine mündlich durchgeführte Prüfung in der Regel, daß die Prüflinge auf Fragen antworten, aber nicht selber fragen. Nachdem Fragen aber der Treibstoff beim Zustandekommen eines Geschäftes sind und Verkäufer unbedingt Fragen stellen müssen um im Bilde zu sein, haben wir sobald uns der Zombie „Prüfungsangst“ in den verdorrten Händen hält, ganz schlechte Karten.

Punkt zwei: Im wirklichen Leben, weiß niemand auf jede Frage sofort eine Antwort. Wenn wir uns aber gezwungen fühlen sofort Antworten zu geben, können wir rasch auf Treibsand geraten und so beim Kunden einen unprofessionellen Eindruck machen. „Drüberschwindeln“ funtioniert im Leben, für das wir in der Schule so lange gelernt haben, nicht. Vor allem nicht bei Gesprächpartner die gerne kaufen möchten und deshalb besonders genau aufpassen, was ihnen da so aufgetischt wird. Doch Hilfe naht: Wir dürfen uns Einsagen lassen. Und zwar ganz offiziell. Also gestehen Sie lieber ein daß Sie diese Frage im Moment nicht beantworten können und nennen Sie einen Zeitpunkt an dem Sie sich mit der Antwort melden. Sie schaffen dadurch klare Verhältnisse. Welcher Kunde schätzt das nicht?

2 Gedanken zu „Wir sind nicht mehr in der Schule!

  1. jasmine ungerboeck

    Ich finde diese Website absolut cool, inspirierend, egal in welcher in welcher Branche man sich befindet, dieses Statement, und Berichte bringen alles auf den Punkt!

    1. Christian Traxler

      Vielen Dank für den freundlichen Kommentar. Natürlich wird in den verschiedenen Branchen auch unterschiedliches Fachwissen zu den jeweiligen Produkten oder Dienstleistungen verlangt. Aber es gibt einen gemeinsamen Nenner, wenn es darum geht, diese Power auf die Straße zu bringen und Geschäfte zu generieren.

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